Was ist eine Stammzelltransplantation?

Bei der Stammzelltransplantation handelt es sich um eine Behandlungsmethode, bei der Knochenmark oder Blutstammzellen, d.h. Stammzellen aus dem Knochenmark, die durch Vorbehandlung in das Blut ausgeschwemmt wurden, von einem Spender auf einen vorbehandelten Empfänger übertragen werden. Die Stammzellen (Fabrikzellen der Blutproduktion) sind das zentrale Produkt, das für die Knochenmark-Stammzellproduktion benötigt wird. Andere Zellen, die bei der Transplantation übertragen werden, sind Lymphozyten (Immunzellen, die die Abwehr gegen Infektionen betreiben). Die Übertragung des Knochenmarkes oder der Blutstammzellen erfolgt intravenös, wie eine Bluttransfusion.


Je nach Herkunft unterscheidet man 3 Transplantationsformen:


Allogene Knochenmark-/Stammzelltransplantation:

Hierbei handelt es sich im allgemeinen um gewebeverträgliche Geschwisterspender, in seltenen Fällen kommen auch Eltern oder entfernte Verwandte in Betracht. Zwei Drittel aller Patienten, die möglicherweise von einer allogenen Stammzelltransplantation profitieren könnten, haben keinen geeigneten Spender in der Familie. Weltweit gibt es über 10 Millionen registrierte Spender, so dass für über 80 % der Patienten innerhalb kurzer Zeit ein Spender gefunden werden kann.


Syngene Knochenmark-/Stammzelltransplantation:

Hierbei handelt es sich um eine Transplantation von eineiigen Zwillingsspendern, eine seltene Konstellation, die nur bei einem von 300 Patienten besteht. Durch die völlige Identität von Spendern und Empfängern sind transplantationsbedingte Komplikationen äußerst gering.


Autologe Knochenmark-/Stammzelltransplantation:

Hierbei werden dem Patienten eigene Stammzellen aus dem Blut entnommen, im Labor konserviert und ihm nach einer aggressiven Chemotherapie wieder transfundiert.


Wie wird dem Spender das Knochenmark entnommen?

Das Knochenmark wird durch mehrfache Punktionen unter Narkose aus dem Beckenkamm rechts und links entnommen. Die Nebenwirkungen einer solchen Knochenmarkspende sind gering. Die meisten Spender beobachten mäßige Schmerzen an der Entnahmestelle von 2 - 4 Tagen. Schwere Komplikationen sind extrem selten. Eine stationäre Aufnahme für 2 Tage ist erforderlich.


Wie werden dem Spender Blutstammzellen entnommen?

Hierbei handelt es sich um die Gewinnung von Stammzellen, die durch Chemotherapie oder Wachstumsfaktoren aus dem Knochenmark ausgeschwemmt und dann durch eine Leukapherese, eine Art Blutwäsche, aus dem Blut gewonnen werden. Diese Form der Stammzellgewinnung kann ambulant durchgeführt werden.



Wer wird mit einer Stammzelltransplantation behandelt ?

Der Haupteinsatz der Stammzelltransplantation erfolgt bei der Behandlung der akuten Leukämien, die mit großer Wahrscheinlichkeit durch konventionelle Chemotherapien nicht geheilt werden können. Darüber hinaus werden Patienten mit schwerer aplastischer Anämie sowie Patienten mit Myelodysplastischem Syndrom, Lymphomen, Multiplem Myelom behandelt. Bei Kindern ergeben sich spezielle Indikationsstellungen mit angeborenen Defekten des Blut- und Immunsystems und des Stoffwechsels. Die Knochenmark- bzw. Stammzelltransplantation wird auch bei soliden Tumoren, speziell z. B. Neuroblastomen, bei einigen Hirntumoren, beim Mammakarzinom und bei Hodentumoren eingesetzt.



Wann wird mit Knochenmark und wann mit peripheren Blutstammzellen transplantiert ?

Die Stammzellgewinnung aus dem peripheren Blut ist für die Spender angenehmer, da keine Narkose notwendig ist. Die Stammzelltransplantation gewinnt zunehmend an Bedeutung. Insgesamt ist die Stammzellmenge bei peripheren Blutstammzellen höher, so dass die Zellen schneller anwachsen als bei der klassischen Knochenmarktransplantation, jedoch ist die Rate von chronischer Spender-gegen Wirt-Reaktion etwas höher.



Wie wird zum Beispiel eine akute Leukämie durch eine Stammzelltransplantation geheilt ?

Leukämien werden durch eine Doppelstrategie geheilt.

Vor der Transplantation erfolgt die Konditionierungsbehandlung, die entweder aus Chemotherapie mit oder ohne Bestrahlung besteht und den Zweck hat, möglichst viele Leukämiezellen abzutöten und zugleich das Immunsystem des Empfängers so zu schwächen, dass das transplantierte Knochenmark vom Patienten nicht abgestoßen werden kann. Die zweite Strategie, die benötigt wird, um die Leukämie erfolgreich zu besiegen, ist der Immuneffekt der Spenderlymphozyten, die als eine Spender-gegen-Wirt-Reaktion oder Graft versus host disease gegen den Patienten reagieren und gleichzeitig aber auch die leukämischen Zellen abtöten können.

Es gibt neuere Ansätze, bei denen sich die Gewichtung der beiden Arme etwas verschiebt, in dem weniger hochdosierte Chemotherapie und Bestrahlung gegeben wird, dafür aber mehr auf den Immuneffekt der Spenderzellen gesetzt wird.
Die Ansätze haben eines gemeinsam: Durch die Reduktion der Hochdosischemotherapie bzw. Bestrahlung werden die akuten Nebenwirkungen der Behandlung weniger nebenwirkungsreich, was vor allen Dingen für den Einsatz dieser Methode bei älteren Patienten und bei Patienten mit Begleiterkrankungen wichtig ist.

Das neue transplantierte Immunsystem ist gefährlich wie ein wilder Mustang und muss mit speziellen immunsuppressiven (d.h. das Immunsystem unterdrückenden) Medikamenten gezügelt werden. Die Reaktionen des Immunsystems (Spender-gegen-Wirt-Reaktionen) sind mit zunehmendem Intervall vom Transplantationszeitpunkt weniger gefährlich. In den meisten Fällen kann der spezielle Zügel, die Immunsuppression, nach 6 Monaten vollständig abgelegt werden: Spender und Empfänger haben sich miteinander arrangiert und sind tolerant.

Das Abwehrsystem des Patienten wird im Frühstadium der Transplantation durch die intensive Chemotherapie geschwächt. Um den Patienten vor Umweltkeimen zu schützen, bedarf es einiger Maßnahmen:

• Luftfilterung
• Weitgehend keimfreies Essen
• Eine gewisse Isolation, um das Hereintragen von Keimen mit Gegenständen zu vermeiden und Wasserfiltration etc.

In der Zeit, in der das alte Knochenmark zerstört ist und das neue Blut noch nicht aufgebaut ist, besteht das Risiko von Infektionskrankheiten, vor allen Dingen bakteriellen und Pilzerkrankungen. Der Patient wird deshalb intensiv überwacht, um im Falle einer Infektion sofort mit Behandlungsmaßnahmen beginnen zu können.

Die Entlassung aus dem Krankenhaus erfolgt, wenn die Funktionen des neuen Knochenmarks nachweisbar sind, d.h., wenn die weißen Zellen Normalwerte erreicht haben und somit Infektionen abwehren können. Nach Entlassung besteht allerdings immer noch ein Restrisiko von Infektionen, da sich das neue Immunsystem noch nicht vollständig aufgebaut hat.

Die Patienten werden zunächst in engeren, später in größeren Intervallen ambulant gesehen, um die notwendigen Medikamente zu überprüfen und mögliche Probleme wie Spender-gegen-Wirt-Reaktion oder Infektionen möglichst frühzeitig zu erkennen.

Die Dauer der Erholungsphase nach Stammzelltransplantation ist unterschiedlich. Manche Patienten benötigen ein Jahr, um wieder voll fit zu sein, andere nur wenige Monate.